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19.03.2021

Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR) – Ein Instrument zur Einordnung der Qualifikationen des deutschen Bildungssystems

Der DQR soll die Orientierung von Qualifikationen an Kompetenzen fördern, also helfen, in Deutschland dem Prinzip „Wichtig ist, was jemand kann, und nicht, wo es gelernt wurde“ näher zu kommen. In unserem Podcast beantworten wir dazu wiederkehrende Fragen unserer Teilnehmer und Interessenten.

Der Podcast zum Mitlesen (Transkript)

Carolin: Heute wollen wir uns das Thema DQR einmal näher ansehen. DQR steht für „Deutschen Qualifikationsrahmen“ und zeigt den stufenweisen Aufbau des deutschen Bildungssystems. Dafür ist Lars heute zu Gast. Hallo Lars!

 

Lars: Hallo Carolin!

 

Carolin: Das Thema beschäftigt viele unserer Teilnehmer und Interessenten. Immer wieder tauchen Fragen am Telefon, per E-Mail oder auch am Infoabend auf. Daher habe ich die häufigsten Fragen zusammengefasst, die wir uns heute näher anschauen sollten. Was genau ist der DQR?

 

Lars: Einen Teil hast du ja schon vorweggenommen. DQR steht für „Deutscher Qualitätsrahmen“ und zeigt den Aufbau des Bildungssystems, die verschiedenen Niveaustufen des Bildungssystems, welches wir in Deutschland haben. Wenn man mehr Informationen zum DQR haben möchte, muss man relativ weit in die Vergangenheit zurückschauen, denn der Ursprung des DQR liegt im Jahr 1999. Im Jahr 1999 gab es den sogenannten Bologna-Prozess und der Begriff sagt einigen vielleicht etwas. Es geht darum, dass sich die europäischen Länder abgestimmt haben, um Bildungsabschlüsse länderübergreifend vergleichbar zu machen. Das war die Zeit, als wir in Deutschland beispielsweise an den Hochschulen noch unsere Diplomabschlüsse hatten. Das Ziel, diese Abschlüsse vergleichbar zu machen, hat dann dazu geführt, dass wir im Hochschulbereich die Abschlüsse Bachelor und Master eingeführt haben und diese Abschlüsse gibt es bekannterweise nicht nur bei uns in Deutschland, sondern die Abschlüsse Bachelor und Master gibt es in allen europäischen Ländern und alle haben die gleiche Wertigkeit. Das wurde mit dem sogenannten Bologna-Prozess verabredet und war der erste Schritt in Richtung des Deutschen Qualifikationsrahmens. Man hat damit begonnen, diese Abschlüsse vergleichbar, auch verschiedene Ebenen sichtbar zu machen und welche Wertigkeit so ein Abschluss beispielsweise hat. Im Hochschulbereich ist bekannt, dass der Master-Abschluss auf dem Bachelor aufbaut. Das heißt, der Master ist auf einer höheren Stufe als der Bachelor-Abschluss. Aus diesem Bologna-Prozess ist dann der Europäische Qualifikationsrahmen hervorgegangen, denn es ist das Ziel gewesen, nicht nur den hochschulischen Bereich von den Bildungsabschlüssen zu erfassen und vergleichbar zu machen, sondern es gibt in jedem Land noch weitere Abschlüsse.

 

Im Bereich der beruflichen Bildung gibt es bei uns die Berufsausbildung und beispielsweise die Meister-Abschlüsse im Handwerk. Ähnliche Dinge gibt es in anderen Ländern auch, aber mit ganz anderen Bezeichnungen und das wollte man vereinheitlichen, damit eine Vergleichbarkeit gegeben ist, wenn ein Arbeitnehmer beispielsweise zwischen zwei verschiedenen Ländern hin und her wechselt. In Europa gibt es diese Freizügigkeit, innerhalb der EU kann man arbeiten, wo man möchte, aber man muss einem Arbeitgeber im Ausland sagen können, was man für eine Qualifikation hat. Das wollte man mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen schaffen. Aus dem Europäischen Qualifikationsrahmen hat dann letzten Endes jedes EU-Land einen nationalen Qualifikationsrahmen abgeleitet und bei uns in Deutschland ist das der DQR, der Deutsche Qualifikationsrahmen. In diesem DQR sind sämtliche, gesetzlich geregelte Abschlüsse auf insgesamt acht verschiedenen Niveaustufen einsortiert. Das führt dazu, dass verschiedene Abschlüsse, egal ob akademischer Abschluss  an einer Hochschule oder ein beruflicher Abschluss, der vielleicht im Rahmen einer dualen Berufsausbildung erworben wurde oder durch eine Aufstiegsfortbildung, in diesem DQR eingeordnet und damit vergleichbar ist.

Das ursprüngliche Ziel ist, die Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen EU-Ländern zu erreichen. Was für Deutschland aber ganz wichtig ist, ist, dass dieser DQR jetzt auch eine Vergleichbarkeit zwischen akademischen Abschlüssen, also Abschlüssen, die an einer Hochschule, Universität oder Fachhochschule erworben werden und zwischen beruflichen Abschlüssen, ermöglicht. Denn diese Vergleichbarkeit gab es vorher nicht. Jetzt ist es aber möglich zu schauen, welche beruflichen Abschlüsse sind beispielsweise auf der gleichen Ebene eingeordnet wie ein Bachelor von einer Hochschule oder welche beruflichen Abschlüsse sind auf der gleichen Ebene eingeordnet wie ein Master von einer Hochschule.

 

Damit schafft dieser DQR eine enorme Transparenz und wertet natürlich sämtliche beruflichen Abschlüsse auf, weil jeder, der einen Abschluss aus dem beruflichen Bildungssystem hat, jetzt sagen kann: „Ich habe einen Abschluss, der vergleichbar ist zu diesem Hochschulabschluss“. Jeder kennt das aus den Stellenanzeigen, dass dort oft Hochschulabschlüsse als Qualifikation vorgegeben sind und dahinter “oder vergleichbarer Abschluss” steht. Genau das kann ich mit dem DQR nachweisen, wenn ich einen solchen Abschluss habe, dort bewegt sich meine Qualifikation, die ich aber vielleicht nicht an einer Hochschule erworben habe. Das ist natürlich gerade für Berufstätige sehr interessant.

 

Carolin: Das Thema Vergleichbarkeit ist auf jeden Fall ein wichtiges und dazu gleich meine nächste Frage: Wie anerkannt ist dadurch zum Beispiel mein Abschluss als Fachwirt?

 

Lars: Die Anerkennung ist durch diese entsprechende Einstufung gegeben und da muss man sich angucken, wo so ein Fachwirt-Abschluss, das ist einer der Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildungen, eingeordnet ist. Bisher begründete sich die Anerkennung vor dem DQR einfach da drin, dass es die Aufstiegsfortbildung schon gab und die Unternehmen wussten, was sie mit jemanden bekommen, der einen entsprechenden Abschluss zum Beispiel als Meister oder Fachwirt hat. Das haben die Betriebe aufgrund ihrer Erfahrung einfach eingeschätzt. Jetzt haben sie aber einen offiziellen Referenzrahmen und man muss sich anschauen, auf welcher Ebene im DQR diese Abschlüsse denn jetzt eingestuft sind.

 

Wenn man sich das anguckt, beginnt der Start in die berufliche Bildung mit einer klassischen, dreijährigen Berufsausbildung. Jeder kennt dieses duale Ausbildungssystem: Kombination Ausbildung im Betrieb, Ausbildung in der Berufsschule und nach drei Jahren habe ich meinen Berufsabschluss hoffentlich erfolgreich erlangt. Wenn ich diesen Abschluss der Ausbildung in der Tasche habe, bin ich im DQR beispielsweise auf der Niveaustufe vier eingeordnet. Jetzt gibt es darauf aufbauende Abschlüsse, die Niveaustufe fünf beispielsweise, das sind bestimmte Spezialisten-Abschlüsse, wenn ich irgendeine besondere Ausbildung in einem ganz bestimmten Fachbereich mache. Die nächsten offiziellen, höherwertigen Abschlüsse sind dann in der DQR-Stufe sechs, sieben oder acht eingestuft. Wenn man sich das bei der beruflichen Bildung anguckt, dann gibt es dort den Fachwirt, den du gerade angesprochen hast. Auf der gleichen Ausbildungsebene oder Fortbildungsebene befinden sich neben den Fachwirten auch Fachkaufleute, Meister, operative IT Professionals beispielsweise und alle diese Abschlüsse sind im DQR auf der Ebene sechs eingestuft. Diese Stufen sechs im DQR ist die gleiche Stufe, auf der auch die Bachelorabschlüsse von sämtlichen Hochschulen eingestuft sind und damit habe ich einen Abschluss der beruflichen Bildung, der sich auf dem Niveau eines Bachelorabschlusses bewegt. Darüber hinaus geht es in der beruflichen Bildung noch weiter, denn über der Stufe sechs gibt es beispielsweise noch die Stufe sieben, wo im akademischen Bereich der Master eingeordnet ist oder die Stufe acht im akademischen Bereich, die Promotion, also ein Doktortitel eingeordnet ist.

Im Bereich der beruflichen Bildung geht das bis zur Ebene sieben, das heißt noch eine Ebene über dem Fachwirt oder den Meister hinaus und diese Ebene ist im Bereich der beruflichen Bildung beispielsweise den darauf aufbauenden Fortbildungsabschlüssen vorbehalten, was zum Beispiel der Betriebswirt oder der Technische Betriebswirt sein könnte. Diese Abschlüsse sind im DQR sogar auf der Stufe sieben, das heißt auf dem Masterniveau eingestuft.

 

Carolin: Also ist der Fachwirt tatsächlich mit dem Bachelor von der Universität vergleichbar?

 

Lars: Ja, vergleichbar muss man insofern sagen, dass die Bezeichnung oft verwendet wird und das ist auch korrekt, er ist gleichwertig, aber nicht gleichartig. Das heißt, wenn ich jetzt zum Beispiel den Fachwirt mit dem Bachelor von der Hochschule vergleiche, dann ist es natürlich so, dass der Bachelor der Hochschule viel tiefer in die Theorie reingeht, der Fachwirt ist eher praxisorientiert. Das heißt, sie haben beide einen unterschiedlichen Weg genommen, um auf diese Kompetenzstufe zu kommen. Dadurch sind sie nicht gleichartig, weil der Weg unterschiedlich war, aber dieses Qualifikationsniveau was sie erreicht haben, ist gleichwertig.

Das ist also das, was man im Hinterkopf behalten muss, gleichwertig, aber nicht gleichartig, weil der Weg dahin zu kommen ein anderer ist und der Bachelor an der Universität viel mehr Theorie macht und Fachwirte beispielsweise viel mehr Praxiserfahrung haben.

 

Carolin: Warum ist die Dauer meines Kurses, wenn ich das Ganze berufsbegleitend mache, 12 Monate und der Hochschulabschluss dazu im Vergleich würde sich über mehrere Jahre ziehen?

 

Lars: Ja, die Frage ist gut und die kann auch direkt anschließen, das passt an der Stelle sehr gut, dass du das fragst, weil dieses Thema gleichwertig, aber nicht gleichartig, was ich eben beantwortet habe, auch ein bisschen damit zusammenhängt. Jetzt könnte man denken, dass nachher beide auf einem Qualifikationsniveau angesiedelt sind, aber der Fachwirt musste ja viel weniger dafür tun, um da hinzukommen wie der Bachelor. Ich mach einen Vorbereitungslehrgang, ich gehe zur IHK-Prüfung beispielsweise und kann nach 12, 18 oder 24 Monaten, je nachdem, was für ein Abschluss ich habe, so einen Abschluss der beruflichen Bildung erlangt haben und der Bachelor an der Hochschule muss mindestens drei Jahre in Vollzeit studieren. Da kommen natürlich erst einmal Fragen auf, warum das denn so ist.

 

Aber auch das ist in diesem Thema gleichwertig, aber nicht gleichartig, begründet, denn ich finde, da sind die beruflichen Abschlüsse oder die Abschlüsse aus dem beruflichen Bildungssystem schon sehr viel weiter, wie die Abschlüsse von der Hochschule. Bei der Hochschule geht es darum, eine gewisse Zeit zu absolvieren. Das heißt, ich muss während meiner Hochschulausbildung gewisse Credit Points sammeln und diese Credit Points wiederum kann ich nur sammeln, wenn ich entsprechende Studienmodule belegt habe und erst wenn ich eine gewisse Anzahl Credit Points erreicht habe, kann ich einen gewissen Hochschulabschluss, wie zum Beispiel den Bachelor-Abschluss erlangen. Das heißt, der Faktor Zeit, wie lange ich dafür gelernt habe, spielt immer eine Rolle. Ich habe immer eine gewisse Mindestzeit, ich kann nicht einfach an einer Hochschule zu einer Bachelorprüfung gehen und sagen, ich habe die Kenntnisse, die ein Bachelor von der Hochschule hat, ich zeige euch das jetzt mal und bekomme den Bachelor-Abschluss der Hochschule, das geht nicht. Aber im beruflichen Bildungssystem ist das so. Denn im beruflichen Bildungssystem geht es um die Kompetenzen, die jemand hat, nicht darum, auf welchem Weg er sie erworben hat. Wenn man sich diese Abschlüsse der beruflichen Bildung anschaut, dann sind die über sogenannte Fortbildungsverordnungen gesetzlich geregelt, die auch bundesweit gültig sind. Das heißt, ich habe wirklich eine gesetzliche Grundlage, die dieses Niveau des Abschlusses auch begründet vom Schwierigkeitsgrad her, was da verlangt wird.

Diese Fortbildungsverordnung regelt eigentlich nicht die Zeit, bis ich die Kompetenzen erlangt habe, sondern sie regelt die Prüfung, mit der ich nachweisen muss, dass ich diese Kompetenzen habe. Das heißt, wenn ich der Meinung bin, dass ich das Wissen, was ein Fachwirt in einem bestimmten Bereich braucht, oder das Wissen, was ein Meister in einem bestimmten Bereich braucht, habe, dann könnte ich theoretisch direkt zu einer entsprechenden Prüfung gehen und diese Prüfung ablegen, wenn ich die Zulassungsvoraussetzungen natürlich erfülle. Wenn ich diese Prüfung erfolgreich absolviere, erlange ich den Titel. Es ist also unabhängig davon, wie lange ich vorher einen Vorbereitungslehrgang beispielsweise absolviert habe. Trotzdem ist es sinnvoll, so einen Vorbereitungslehrgang zu machen, weil ich in der Regel diese Kenntnisse ja noch nicht habe, sondern diese durch einen Kurs quasi erlangen, mein Know-How erweitern und meine Kompetenzen weiterentwickeln möchte. Das heißt, der Vorbereitungslehrgang macht natürlich Sinn, indem ich dieses ganze Wissen aufnehme, was ich für die Prüfung brauche.

 

Wenn wir jetzt mal sagen, der Vorbereitungslehrgang ist gesetzt und da werden einfach Unterrichtsinhalte, Lerninhalte vermittelt, bearbeitet, dann ist es ja immer noch kürzer als dieser Bachelor Abschluss, den du eben angesprochen hast, den ich beispielsweise an der Hochschule mache. Warum habe ich trotzdem diese Gleichwertigkeit? Bei dem Bachelor Abschluss der Hochschule sieht es so aus, dass ich vielleicht meinen Schulabschluss, mein Abitur in der Tasche habe und direkt an die Hochschule gehen kann. Wenn ich das Ganze in der Regelstudienzeit schaffe, kann ich in der Regel nach 36 Monaten einen Bachelor-Abschluss in der Tasche haben, nur habe ich in diesen 36 Monaten fast nur Theorie gemacht. In der Regel ist ein Praxissemester dabei, aber ich habe drei Jahre gelernt. Wenn wir jetzt den Fachwirt vergleichen, wo der berufsbegleitende Vorbereitungskurs natürlich viel kürzer ist als das Bachelorstudium, dann ist das bei dem Fachwirt nicht nur dieser theoretische Lehrgang, sondern es gibt über die Fortbildungsverordnung geregelt noch die sogenannten Zulassungsvoraussetzung.

 

Um den Fachwirt machen zu können, muss ich in der Regel im ersten Step über eine Berufsausbildung plus entsprechende Berufspraxis verfügen. Oder wenn ich keine Berufsausbildung abgeschlossen habe, muss die Berufspraxis viel, viel länger ausfallen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass jemand, der in so eine Aufstiegsfortbildung einsteigt, als erstes eine duale Berufsausbildung absolviert hat, dann hat er schon einen Abschluss auf Niveau Stufe vier erlangt. Der hat schon einen Zwischenstopp erreicht. Wenn dieser Teilnehmer oder dieser Berufstätige dann mit seinem Abschluss auf Stufe vier in die Fortbildung reingehen will, muss er, um zur Prüfung zu gehen, darüber hinaus noch Berufspraxis gesammelt haben und erst dann erfüllt er die Voraussetzungen für diese Fortbildungsprüfung. Wenn man das jetzt in Kombination sieht, Berufsausbildung plus Berufspraxis plus das ganze theoretische Wissen, was ich in einem solchen Lehrgang vermittelt bekomme und aufbaue, dann kann ich wirklich sagen, da habe ich in Summe genau das gleiche Niveau erreicht, wie jemand der drei Jahre “nur Theorie” gemacht hat.

 

Dann muss man noch eins dazu nehmen, was ich immer finde, warum diese Abschlüsse auch wirklich gleichwertig sind vom Niveau her. Manche denken ja, dass die Hochschule viel schwieriger als die berufliche Bildung ist. Das sehe ich ehrlich gesagt nicht so. Wir haben ja bei uns hier bei manQ sehr viel Erfahrung mit diesen Abschlüssen und kennen natürlich auch die Prüfungen und die Anforderungen, die an Fortbildungsteilnehmer gestellt werden, sehr gut.

Wenn man sich jetzt den Weg anguckt, der zum Hochschulabschluss führt, dann ist der dadurch gekennzeichnet, dass ich verschiedene Module während meines Studiums durchlaufe und dann zu jedem Modul, zum Beispiel zum Marketing, eine Abschlussarbeit mache, eine Hausarbeit schreibe oder vielleicht eine Klausur schreibe. Dann kommt das nächste Modul, beispielsweise Volkswirtschaft und dazu schreibe ich dann meine Klausur. Das heißt, ich kann mich immer punktgenau auf ein Thema konzentrieren und ganz am Ende schreibe ich noch mal eine Bachelorarbeit, wo ich mir das Thema selber ausgesucht habe. Wenn ich aber eine Aufstiegsfortbildung mache, dann schreibe ich eine Prüfung, die ganz viele Themenbereiche umfasst. Das heißt, in meiner Prüfung muss ich nachweisen, dass ich vielleicht Kenntnisse im Bereich Rechnungswesen, im Bereich Marketing oder im Bereich Projektmanagement habe. Je nachdem, was der Rahmenlehrplan dieses Fortbildungslehrgangs vorschreibt. Diese Kenntnisse in Summe zu haben rechtfertigt meiner Meinung nach absolut das Niveau, auf dem sich diese Abschlüsse bewegen.

 

Carolin: Sehr gut. Kann ich denn, wenn ich meinen Fachwirt erfolgreich abgeschlossen habe, noch einen Master an einer Hochschule oben drauf satteln?

 

Lars: Theoretisch ja, praktisch ist das aber heutzutage immer noch relativ schwierig. Wir haben bei den beiden letzten Fragen besprochen, dass die Abschlüsse gleichwertig und nicht gleichartig sind. Deswegen können die Hochschulen sagen, wir definieren die Eingangsvoraussetzungen des Masterstudiums. Was vielleicht wichtig zu wissen ist, wenn ich aus der beruflichen Bildung komme und noch keine Hochschulzugangsberechtigung habe, bisher noch kein Abitur oder Fachabitur habe, könnte ich also theoretisch nicht zur Hochschule gehen, um zu studieren, weil mir der schulische Abschluss fehlt. Dann habe ich durch eine erfolgreiche Aufstiegsfortbildung auf DQR Ebene sechs automatisch eine Hochschulzugangsberechtigung erlangt. Das heißt, jeder der ein Fachwirt-Abschluss hat, Fachkaufmann, Fachkauffrau oder Meister ist, hat damit gleichzeitig auch die Hochschulzugangsberechtigung erlangt, obwohl er vielleicht kein Abitur gemacht hat. Das heißt also der Weg zur Universität, zur Hochschule steht grundsätzlich offen.

 

Aber jetzt hast du gefragt, ob man direkt in den Master einsteigen kann? Das ist ein Thema, was von den entsprechenden Hochschulen abhängig ist. Das heißt, die Hochschulzugangsberechtigung ermöglicht mir nur ein Bachelor Studium aufzunehmen, worauf ich anschließend ein Masterstudium drauf satteln könnte. Jetzt habe ich aber den Fachwirt vielleicht schon in der Tasche und habe damit ja schon einen Abschluss auf DQR Ebene sechs. Dadurch, dass diese beiden Abschlüsse aber nicht gleichartig sind, also unterschiedliche Wege, die auf diese Niveaustufe hingeführt haben, kann es sein, dass die Hochschule sagt, das reicht nicht aus. Wir wollen den theoretischen Unterbau eines Hochschul-Bachelors haben und deshalb wird der Direkteinstieg in den Master vielleicht verwehrt und die Hochschule verlangt, dass erst ein Bachelor Abschluss gemacht wird. Es kann sein, dass es manche Hochschulen gibt, die sagen, wenn du einen Fachwirt-Abschluss oder Meisterabschluss hast, musst Du vielleicht nicht die vollen 36 Monate den Bachelor machen, sondern wir rechnen dir zumindest Teile für den Bachelor an. Dann ist ein Bachelor Studium verkürzt und danach geht es in den Master. Theoretisch wäre es sogar möglich, dass die Hochschule sagt, wir prüfen die vorhandenen Kompetenzen, die im Bereich des beruflichen Systems erworben worden sind und wenn die Prüfung erfolgreich war, setzen wir diese Kompetenzen dem Bachelor-Abschluss gleich.

 

Ich habe beispielsweise selber so den Weg zum Master an einer Hochschule genommen. Ich habe meine gesamten Qualifikationen im Bereich der beruflichen Bildung erworben, hatte also keinen Bachelor-Abschluss, der von einer Hochschule kam. Mein Ziel ist es gewesen, trotzdem einen Masterabschluss im Bereich der Erwachsenenbildung zu machen. Bei mir ist es zum Beispiel so gewesen, dass ich den Abschluss an der Technischen Universität Kaiserslautern erlangt und dort dieses Masterstudium absolviert habe. Die Technische Universität Kaiserslautern hatte beispielsweise ein spezielles Programm, wo sie auf der einen Seite die beruflichen Qualifikationen, die jemand hatte, geprüft haben. Wo man noch mal gesagt hat, wir setzen jetzt noch mal einen Eingangstest obendrauf, ob das Niveau wirklich dem eines Bachelors der Hochschule entspricht, auch was den theoretischen Unterbau angeht. Das war bei mir dann der Fall und so hatte ich die Möglichkeit, direkt in ein Masterstudium einzusteigen und dann den Master an einer Hochschule zu machen, ohne dass ich vorher den Bachelor gemacht habe. Das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung der jeweiligen Universität, da sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind. Das heißt, man muss gucken, ob die Universität ein solches Programm anbietet und in vielen Fällen ermöglichen sie das heute leider noch nicht, sondern rechnen maximal Teile im Bereich des Bachelors an. Deswegen muss man überlegen, ob der Aufwand wirklich sinnvoll ist, da noch mal weiter den Bachelor und ein Master an der Hochschule zu machen. Oder sattele ich vielleicht einfach auf den Fachwirt, den Betriebswirt obendrauf, den ich auch mit überschaubarem Aufwand erlangen kann. Denn auch hier spielt wieder die Berufspraxis mit rein und auch so komme ich zu meinem Abschluss auf DQR Ebene sieben.

 

Carolin: Vielen Dank Lars, das waren viele tolle Information und ich denke, so konnten wir für unsere Teilnehmer und Interessenten ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

 

Lars: Schön Carolin, das freut mich, dass ich da das weiterhelfen konnte, gerne jederzeit wieder.

 

Carolin:  Ich danke dir, bis zum nächsten Mal.

 

Lars: Ciao Carolin.

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